iwg news /

Praxisinfos

Zur Sicherung der ambulanten Versorgung braucht es neue Strukturen

Drei Fragen an Dr. Uwe Natter zur Studie „Gesundheitszentren für Deutschland“ der Robert-Bosch-Stiftung

Die im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung vom Berliner IGES Institut erstellte Studie modelliert den zu erwartenden Hausärztemangel in Deutschland im Jahr 2035 und beschreibt, wie eine Neuausrichtung der Primärversorgung auf kommunal eingebundene Gesundheitszentren eine Perspektive für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung sein kann - auch angesichts demographischer Herausforderung und der Zunahme chronischer Erkrankungen in der Bevölkerung.

Ein Fazit: Mit sogenannten PORT-Zentren (Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung) lässt sich die Primärversorgung einer Region sicherstellen.

Zu den Ergebnissen der Studie haben wir Dr. Uwe Natter befragt. Dr. Natter ist Vorstand der IWG Holding AG und Verantwortlicher für die Entwicklung von MEDZENTRUM Ärzte- und Gesundheitszentren.

Dr. Uwe Natter (Privatfoto)

Dr. Natter, stirbt die Landarztpraxis aus und gibt es bald nur noch PORT-Zentren?

Dr. Natter: Das muss man differenziert sehen. Ja, einerseits geht der Trend gerade in ländlichen Gebieten klar hin zu kooperativen Strukturen. Da stimme ich der Robert-Bosch-Stiftung zu. Es gibt eine hausärztliche Unterversorgung und eben auch einen Mangel an Ärzten, wie die Studie ja richtig feststellt. Die Hausarztpraxis aber einfach durch ein Zentrum mit Ärzten in Anstellung zu ersetzen, löst dieses Problem allein nicht.

Welches Modell würden Sie bevorzugen?

Dr. Natter: Erfolgsfaktor eines ländlichen Ärzte- und Gesundheitszentrums ist immer die Kooperation aller lokalen Akteure des Gesundheitsmarktes – unterstützt durch die jeweilige Gemeinde.
Es ist erforderlich, Strukturen zu schaffen, die eine Erneuerung der lokalen, ambulanten medizinischen Versorgung ermöglichen. Zum Beispiel in Form einer Gemeinschaftspraxis, in der ein junger Kollege die Nachfolge eines älteren Vertragsarztes antritt und der ältere Kollege weiter in Teilzeit als Angestellter in der Praxis beschäftigt ist.
Und ein Kassensitz kann ja auch geteilt werden. So gelingt es, dem Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten und besserer Work-Life-Balance gerade bei Ärztinnen gerecht zu werden.
Interessant ist auch die Zusammenarbeit von Ärzten mit komplementären Anbietern, wie z. B. Physiotherapeuten in einer Immobilie. Solch ein Objekt kann sogar die Möglichkeit einer lukrativen Beteiligung bieten, für die Akteure vor Ort und den Menschen in der Region.

Inwiefern bilden die MEDZENTRUM Ärzte- und Gesundheitszentren dieses Ideal ab?

Dr. Natter: Wir sind bereits vor 20 Jahren angetreten mit dem Anspruch, Raum für die Medizin der Zukunft zu schaffen. Das ist uns an zahlreichen MEDZENTRUM-Standorten auch gelungen.
Wir sind davon überzeugt: Der Arzt bzw. die Ärztin in freier Praxis bildet die ideale Keimzelle. Um diese herum entstehen  – auch in ländlichen Regionen  – neue Strukturen und innovative Modelle der Kooperation. Dadurch wird die Arbeit in der ambulanten lokalen ärztlichen Versorgung wieder attraktiv.

(Hinweis: Wir haben das Interview mit Dr. Uwe Natter mit freundlicher Genehmigung der LinkedIn-Seite von MEDZENTRUM Deutschland entnommen.)

Andrea Ulrich

Als Journalistin kümmert sie sich um den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der IWG, verfasst Pressetexte und plant Veranstaltungen ...

Mehr erfahren

Vielleicht auch interessant ...

Praxisinfos

18

Feb

2021

"Endlich mal meine Familie sehen"

Interview mit Dr. Thomas Riepen, Weilburg

Post lesen

Praxisinfos

5

Feb

2021

Ärztehaus, MEDZENTRUM und MVZ - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Was ist eigentlich ein MVZ?

Post lesen

Praxisinfos

5

Jan

2021

Raus aus der Klinik, aber weiterhin angestellt

In der ambulanten Versorgung ist die Selbstständigkeit kein Muss.

Post lesen