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Ärztehaus, MEDZENTRUM und MVZ - Gemeinsamkeiten und Unterschiede

Im öffentlichen Diskurs werden die Begriffe "Medizinisches Versorgungszentrum", abgekürzt MVZ, und Ärztehaus oft synonym verwendet. Daneben gibt es auch Bezeichnungen wie Gesundheitszentrum oder MEDZENTRUM, die ebenfalls nur selten korrekt verwendet werden.

Vorweg: MEDZENTRUM ist die Dachmarke der IWG-Gruppe. Einen Überblick über die bereits in Betrieb befindlichen Häuser dieser Marke und auch über solche, die noch im Bau sind, gibt es auf der Internetseite www.medzentrum.de. Auch hier auf www.iwg.de unter dem Reiter Ärztehäuser gibt es Hintergrundinfos zu unseren Ärzte- und Gesundheitszentren. Ein MVZ ist etwas ganz anderes. Aber - ein MVZ könnte Mieter in einem MEDZENTRUM sein.

Die Begriffe "Ärztehaus" oder "Ärzte- und Gesundheitszentrum" sind nicht gesetzlich festgelegt. Ein solches Haus könnte neben Ärzten oder Zahnärzten auch andere Leistungserbringer, Gewerbetreibende oder Therapeuten beherbergen. Beispiel: Das MEDZENTRUM Staufenberg ist ein Ärzte- und Gesundheitszentrum im mittelhessischen Staufenberg. Die Mieter dort sind Ärzte der Fachgruppen Allgemeinmedizin, Chirurgie und Psychotherapie sowie ein Fachgeschäft für Orthopädietechnik, eine Praxis für Logopädie und ein Geburtshaus.

Was genau ist denn nun ein MVZ?
Der Gesetzgeber hat im Jahr 2004 die Möglichkeit zur Gründung von sogenannten Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) in das Gesetz aufgenommen.

Ziel war die Ermöglichung strukturierter Zusammenarbeit mehrerer ärztlicher Fachgebiete zur Erreichung einer patientenorientierten Versorgung aus einer Hand.

Seit Juli 2015 sind nunmehr auch fachgruppengleiche MVZ zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassen. Ein MVZ kann nur von einem im Gesetz festgelegten Kreis von Personen und Institutionen gegründet werden. So kommen zugelassene Vertragsärzte, Vertragszahnärzte, zugelassene Krankenhäuser, Erbringer nichtärztlicher Dialyseleistungen nach § 126 Abs. 3 SGB V, gemeinnützige Träger, die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen oder Kommunen als Gründer infrage. Das wars. Niemand sonst darf ein MVZ gründen.

Die Gründung eines MVZ muss – wie die Zulassung eines Arztes – bei dem Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) beantragt und durch diesen genehmigt werden.

Das MVZ erhält eine eigene Zulassung, ist also selbst vertragsärztlicher Leistungserbringer und nimmt neben den „normalen“ niedergelassenen Ärzten an der vertragsärztlichen Versorgung teil. Der Behandlungsvertrag des Patienten wird mit dem MVZ geschlossen.

In einem MVZ müssen laut dem Gesetzgeber mindestens zwei Ärzte auf mindestens zwei hälftigen vertragsärztlichen Versorgungsaufträgen (jeweils Faktor 0,5) tätig sein. Umgangssprachlich würde man sagen: auf mindestens zwei halben KV-Sitzen.

Eine Beschränkung der Anzahl der Ärzte, die in einem MVZ beschäftigt sein dürfen, gibt es im Gegensatz zur Einzelpraxis und im Gegensatz zur BAG nicht.
Zwingend erforderlich ist, dass für jedes MVZ ein ärztlicher Leiter benannt wird, der die medizinisch-fachliche Leitung übernimmt, die Abrechnungen des MVZ unterschreibt und für deren Ordnungsmäßigkeit verantwortlich ist.


Ein MVZ kann als BGB-Gesellschaft (GbR), Partnerschaftsgesellschaft, GmbH, Genossenschaft oder als öffentlich-rechtliche Rechtsform geführt werden. Gängigste Rechtsformen sind die GbR und die GmbH.


Die meisten MVZ wurden bzw. werden entweder von Krankenhäusern in der Rechtsform der GmbH oder von Vertragsärzten in der Rechtsform der GbR oder GmbH gegründet.


Ein Vertragsarzt kann ein MVZ auch in der Rechtsform einer GmbH gründen. Es genügt ein einzelner Vertragsarzt. Tätig werden müssen auch mindestens zwei Ärzte. Diese Ärzte müssen laut dem Gesetzgeber in dem MVZ angestellt tätig sein. Die Gründung eines MVZ bietet dem Vertragsarzt die Option, eine Praxis zu betreiben, ohne in dieser selbst ärztlich tätig zu sein. Indem man ein MVZ gründet, es aber durch angestellte Ärzte (GmbH) oder durch Kollegen, die gleichzeitig Gesellschafter sind (GbR) betreiben lässt, erhält man die Chance, an mehreren Standorten Praxen zu gründen und an diesen beteiligt zu sein, ohne gleichzeitig zur dortigen Tätigkeit verpflichtet zu sein.

Andrea Ulrich

Als Journalistin kümmert sie sich um den Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der IWG, verfasst Pressetexte und plant Veranstaltungen ...

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